Direkter Funkweg
Die Funkwelle erreicht die Gegenstation unmittelbar – beispielsweise von Berg zu Berg. Gelände, Antennenhöhe und Bebauung machen viel aus.
Funk verstehen · Wellenausbreitung
Warum hört man plötzlich Italien auf dem CB-Funkgerät? Wie funktionieren Fernverbindungen auf Kurzwelle? Und weshalb reicht UKW normalerweise nur bis zum Horizont? Hier erklären wir es – ohne Funklatein.
Die Funkwelle erreicht die Gegenstation unmittelbar – beispielsweise von Berg zu Berg. Gelände, Antennenhöhe und Bebauung machen viel aus.
Temperatur- und Luftschichten können UKW-Signale über ungewöhnlich große Entfernungen führen. Das nennt man troposphärische Überreichweite.
In der Ionosphäre werden bestimmte Funkwellen so abgelenkt, dass sie weit entfernt wieder zur Erde gelangen – ein typischer Fernverbindungsweg auf Kurzwelle und 11 Meter.
Auf einen Blick
Die Zeichnung ist vereinfacht: Funkwellen werden in der Ionosphäre nicht wie Licht von einem Spiegel zurückgeworfen, sondern entlang ihrer Ausbreitung gebrochen.
Die Darstellung zeigt zwei typische Prinzipien, keine maßstabsgetreuen Flugbahnen oder festen Reichweiten.
Im Mittelpunkt: 11 Meter
Heute hörst du vielleicht nur die Nachbarorte. Morgen sind plötzlich Stimmen aus Italien oder Spanien zu hören. Und an besonders guten Tagen sind sogar interkontinentale Verbindungen möglich.
Manchmal entstehen in einer Schicht der oberen Atmosphäre stark ionisierte Bereiche. Sie können Funkwellen auf 27 MHz über mehrere Hundert bis etwa 2.000 Kilometer und teilweise weiter führen. Solche Öffnungen beginnen mitunter plötzlich und enden ebenso schnell.
Bei geeigneter Sonnenaktivität ermöglicht die höhere F2-Region der Ionosphäre noch größere Reichweiten. Dann kann sich das 11-Meter-Band über Länder und Kontinente hinweg öffnen – ähnlich wie das benachbarte 10-Meter-Amateurfunkband.
CB-Funker hören regelmäßig auf denselben, überschaubaren Kanälen. Wenn dort viel Betrieb herrscht, fallen plötzlich auftauchende fremde Stimmen, Sprachen oder Rufzeichen schnell auf. Man muss nicht erst zahlreiche verschiedene Amateurfunkbänder absuchen: Auf den vertrauten Kanälen hört man oft unmittelbar, dass sich etwas verändert hat.
Der entscheidende Unterschied: Mehr Menschen, die zuhören und funken, erhöhen die Wahrscheinlichkeit, eine Bandöffnung zu entdecken. Sie verursachen keine zusätzlichen Überreichweiten. Die besonderen Reichweiten entstehen durch die Eigenschaften der Atmosphäre und die Funkfrequenz – nicht durch die Anzahl der aktiven Funkstationen.
Für alle zugänglich: CB-Funk darf in Deutschland im Rahmen der geltenden Allgemeinzuteilung ohne Amateurfunklizenz genutzt werden. Das ist einer der Gründe, warum der 11-Meter-Funk für viele Menschen der Einstieg in das Hobby war – und heute noch ist.
Kurzwelle · HF
Auf Kurzwelle hängt die Reichweite nicht nur von der Sendeleistung ab. Frequenz, Tageszeit, Jahreszeit, Sonnenaktivität und die Ionosphäre bestimmen, welche Strecken gerade möglich sind.
Vor allem auf den niedrigeren Kurzwellenbändern sorgt die tagsüber stärker dämpfende D-Region dafür, dass Fernverbindungen nachts häufig besser gelingen. Regionale und europäische Kontakte sind typische Anwendungen.
Ein wichtiges Band für internationale Verbindungen, oft tagsüber und – je nach Sonnenaktivität und Jahreszeit – auch darüber hinaus. Die tatsächliche Reichweite verändert sich laufend.
Diese höheren Kurzwellenbänder profitieren oft von erhöhter Sonnenaktivität. Besonders auf 10 m können zudem Sporadic-E-Öffnungen für überraschend weite Kontakte sorgen.
Die Zeiten sind Faustregeln, keine festen Öffnungszeiten: Jede Ausbreitung hängt von Strecke und aktuellen Bedingungen ab.
UKW · VHF / UHF
Bei UKW ist meist die direkte Verbindung entscheidend. Hohe Standorte wie die Grüne Hütte sind deshalb besonders wertvoll. Unter bestimmten Bedingungen können auch hier Überreichweiten auftreten.
Entfernungen über die normale Sichtverbindung hinaus entstehen zum Beispiel durch troposphärische Überreichweiten. Sehr selten können auch besonders starke Sporadic-E-Ereignisse bis in das 2-Meter-Band reichen.
Bei passenden Luftschichtungen werden Signale ungewöhnlich weit geführt. Die Höhe des Standorts, freie Sicht und eine passende Antenne beeinflussen den Empfang stark.
Das 6-Meter-Band liegt am Übergang zwischen typischer UKW-Ausbreitung und den überraschenden Öffnungen durch Sporadic E. Besonders im Frühsommer lohnt sich hier das Zuhören.
Bei uns im Weserbergland
Über den WebSDR kannst du den regionalen Funkbetrieb auf 145,450 MHz FM mithören. Unsere Zugänge DO0GH, DO0SIB und DF0US sind zusätzlich über das FM-Funknetz miteinander verbunden. Dessen größere Reichweite über verbundene Standorte ist keine atmosphärische Überreichweite, sondern beruht auf der technischen Vernetzung.
Für Neugierige und Funkfreunde
Häufig gefragt
Bei einer ionosphärischen Öffnung werden bestimmte entfernte Gebiete besonders gut erreicht. Näher gelegene Orte können gleichzeitig in einer sogenannten Sprungzone liegen und schwächer zu hören sein. Das ist kein Zeichen dafür, dass die nähere Gegenstation schlechter funkt.
Nein. Ein voller Kanal verändert die Ionosphäre nicht. Aber wenn viele Stationen zuhören oder sprechen, wird eine vorhandene Bandöffnung eher erkannt. Auf einem stillen Kanal kann dieselbe Öffnung unbemerkt bleiben.
Ja! CB-Funk ist für den Einstieg sehr gut geeignet und kann im Rahmen der zugelassenen Regeln ohne Amateurfunklizenz genutzt werden. Bei den Wellenreitern sind auch SWLs, Freenet- und FreeDMR-Interessierte herzlich willkommen. Für das eigene Senden auf Amateurfunkbändern ist eine Amateurfunkzulassung erforderlich.
Wir bleiben in Verbindung
Ob CB-Funker, SWL, Freenet-, FreeDMR-Freund oder Funkamateur: Bei den Wellenreitern findest du Menschen, die dieselbe Begeisterung teilen.
Zum Weiterlesen: Bundesnetzagentur · CB-Funk · NOAA · Kurzwellen-Ausbreitung (EN) · DARC · Sporadic E und Funkwetter